Kulturregion Anhalt & Bitterfeld
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Innerdeutsche Grenze hat Spuren hinterlassen
Unter dem Titel „Bereits Gras über der deutsch-deutschen Grenze?“ wird derzeit im Bildungszentrum der Konrad-Adenauer-Stiftung Schloss Wendgräben eine Ausstellung gezeigt. Interessenten können sich auf Spurensuche entlang der früheren innerdeutschen Grenze begeben.
Wendgräben. „Anliegen ist es, dass sich vor allem die junge Generation die sehr aussagekräftige Ausstellung ansieht“, so Regina Michel, die Vorsitzende des Vereins Kulturregion Anhalt & Bitterfeld, der die Wanderausstellung nach Sachsen-Anhalt geholt hat. Unterstützung hat der Verein in der Konrad- Adenauer-Stiftung gefunden, die zu den Etappen niveauvolle Eröffnungsveranstaltungen und Referenten beisteuert. Und so ist die Ausstellung derzeit im Schloss Wendgräben aufgebaut und noch bis zum 20. September zugänglich.
Angesprochen sind vor allem auch Schulklassen, die sich für eine Führung bei Dr. Andreas Schulze anmelden können (039245-952-355). Aber auch andere Gruppen oder Einzelpersonen sind gern gesehene Gäste im Haus. Gestern war beispielsweise eine Gruppe der Polizei aus Zerbst vor Ort.
Die Ausstellung passt in das Gesamtkonzept der Stiftung, die Schwerpunkte auf die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, dem DDR-Regime, dem Fall der Mauer und die Wiedervereinigung setzt. Die erste Etappe in Prosigk war erfolgreich verlaufen, das Interesse war groß, zieht Regina Michel Bilanz. Sie berichtet von ehemaligen Grenzsoldaten, die aufgewühlt waren, und von ergreifenden Gesprächen mit ihnen.
Immerhin sind seit dem Fall der Mauer und dem Abbau der Grenzanlagen an der deutschdeutschen Grenze mehr als 20 Jahre vergangen. Auf 25 Tafeln zeigt die Aufstellung die Spuren der Grenze auf, die sich bis zum Herbst 1989 scheinbar unüberwindlich durch das Land zog.
Die 1378 Kilometer hatte ein Bildreporter 2003 zu Fuß abgelaufen und alles dokumentiert. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranlasste schließlich die Erarbeitung einer Wanderausstellung. Historische Aufnahmen wurden hinzugezogen, das Material aufgearbeitet und mit umfangreichen Hintergrundwissen und Informationen zur Struktur, Historie und dem heutigen Zustand des ehemaligen Grenzstreifens gespickt. 2005 wurde die Ausstellung im Europäischen Parlament vorgestellt und seitdem wandert sie quer durch Deutschland und Europa. Zwei Jahre betrug die Wartezeit für die Kulturregion Anhalt & Bitterfeld, die jetzt noch bis Oktober 2010 die Trägerschaft übernommen hat. Nach Wendgräben geht die Ausstellung in das Kulturhaus nach Bitterfeld- Wolfen. Vierte und letzte Etappe ist dann die Hochschule Anhalt in Köthen.
Die Ausstellung greift Themen auf, die so sensibel sind, dass zu DDR-Zeiten darüber nichts zu hören war, macht Regina Michel deutlich. Auch Dr. Andreas Schulze, der im Bereich Politische Bildung der Adenauer-Stiftung arbeitet, ist begeistert von dem Material. Zum Beispiel werde deutlich, in welchen Etappen die Grenze immer mehr aufgebaut und wieviel Geld reingesteckt wurde. Auch die Selbstschussanlagen werden nicht verschwiegen, und die Todesfälle werden geschildert. Man geht von 421 aus, aber wieviele es wirklich waren, bleibt ungeklärt. Die Aktionen „Ungeziefer“ und „Festigung“ sind beschrieben,es geht um Mödlareuth, das geteilte Dorf, und um geschleifte Ortschaften. Ein Teil der Ausstellung widmet sich der Berliner Mauer, ein anderer der Grenzöffnung und last but not least darf auch die aktuelle „Nutzung“ nicht fehlen. Gras ist über der deutsch-deutschen Grenze gewachsen, der einstige Todesstreifen ist Lebensstreifen geworden und das größte zusammenhängende Biotop Deutschlands.
Von Petra Wiese, Volkstimme Zerbst, 9. September 2010
www.volksstimme.de
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